Newsletter Operative Medizin Heidelberg
Sonderausgabe / 3.Quartal 2007

Ein Kompetenzzentrum für operative Urologie

Das Team der Urologischen Universitätsklinik Heidelberg
Das Team der Urologischen Universitätsklinik Heidelberg

Aus Tradition dem medizinischen Fortschritt verpflichtet

Die Ruprecht-Karls-Universität ist die älteste Universität Deutschlands. Kurfürst Ruprecht I. eröffnete sie mit Genehmigung von Papst Urban IV am 8. Oktober 386 mit einem Gottesdienst in der Heidelberger Heiliggeistkirche. Damals bestand die Ruprecht-Karls- Universität bereits aus den Fakultäten für Theologie, Jura, Medizin und Philosophie.

Über die Jahrhunderte wurde sie zu einem der wichtigsten akademischen Zentren Europas. Acht ihrer Professoren wurden mit dem Nobelpreis ausgezeichnet, drei davon im Fachgebiet Medizin. Entsprechend haben sich die Medizinische Fakultät und das Universitätsklinikum Heidelberg zu einer der bedeutendsten klinischen Institutionen mit internationaler Anerkennung entwickelt.

Pionierleistungen auf dem Gebiet der operativen Urologie

Wie alle anderen Disziplinen hat auch die Urologie in Heidelberg entscheidend am medizinischen Fortschritt mitgewirkt.

Bereits im 19. Jahrhundert wurden in Heidelberg Pionierleistungen auf dem Gebiet der operativen Urologie vollbracht:

  • erste Entfernung einer Niere (Nephrektomie) durch Gustav Simon 1869
  • erste Entfernung einer tumorbefallenen Niere (Tumor-Nephrektomie) durch Vinzenz v. Czerny 1882
  • erste teilweise Entfernung einer Niere (partielle Nephrektomie) durch Vinzenz v. Czerny 1883
  • Entfernung einer tumorbefallenen Prostata (radikale Prostatektomie) durch Vinzenz v. Czerny 1883
  • Entfernung einer tumorbefallenen Prostata über einen Dammschnitt (perineale radikale Prostatektomie) durch Martin Kirschner (1879 – 1942)

Dieser maßgebliche Einfluss auf die moderne Medizin hat sich auch in der Folgezeit fortgesetzt. Max Wilms, Heidelberger Ordinarius im frühen 20. Jahrhundert, war der Erstbeschreiber des Nephroblastoms bei Kindern, einem Tumor, der heute seinen Namen trägt (Wilmstumor). Moderne bildgebende Verfahren des Harntrakts mit röntgendichten Kontrastmitteln wurden von Friedrich Völcker (1872–1955) und Alexander von Lichtenberg (1880–1949) entwickelt. 1967 wurde von Lars Röhl, dem damaligen Direktor der Urologischen Klinik, die erste Nierentransplantation in Deutschland durchgeführt und 1991 wurden von Staehler und Beer erstmals in Europa Lymphknoten bei einem Prostatacarcinom laparoskopisch entfernt.  

Kompetenzzentrum mit Zukunft

Gemäß ihrer Tradition gilt die Urologische Universitätsklinik Heidelberg auch heute als Kompetenzzentrum ihres Fachs. Es werden alle Krankheitsbilder der Urologie und Kinderurologie nach den aktuell geltenden Regeln der medizinischen Kunst diagnostiziert und behandelt. Ihre Ärzte sind ausgewiesene Experten der wichtigen urologischen Schwerpunkte: Onkologie, rekonstruktive Chirurgie, Kinderurologie, Funktionsstörungen des unteren Harntrakts und Harnsteinleiden.

Seit der Neubesetzung des Lehrstuhls für Urologie im Jahre 2003 durch Prof. Dr. Markus Hohenfellner konnten die Leistungszahlen und die Leistungsqualität, sowohl in der klinischen Forschung als auch in der Patientenversorgung, deutlich gesteigert werden. Eine enge Verzahnung beider Bereiche gelingt durch den konsequenten Einsatz und die sorgfältige wissenschaftliche Evaluation innovativer Operationsverfahren, wie etwa der KTPGreenlight- Laservaporisation der Prostata zur Behandlung der gutartigen Prostatavergrößerung oder der computerassistierten daVinci 3D-Laparoskopie. Bei letzterem handelt es sich um hoch entwickelte Medizintechnik für sehr präzise und wenig belastende, minimal invasive Operationen beim Prostatakarzinom. Erst kürzlich wurde mit diesem Verfahren in Heidelberg die deutschlandweit erste laparoskopische, daVinci-assistierte Blasenentfernung (Zystoprostatektomie) durchgeführt. Seit 2006 verfügt die Urologische Universitätsklinik Heidelberg über das modernste ESWL-Gerät zur schonenden, minimal-invasiven, extrakorporalen Stoßwellenbehandlung von Nierensteinen.

Interdisziplinär in Therapie, Forschung und Lehre

Die Urologie betreut verhältnismäßig viele onkologische Patienten. Daher war es naheliegend, sich mit anderen Disziplinen auf dem Gebiet der Onkologie zu vernetzen. So ist bereits ein sogenanntes „Comprehensive Cancer Center“ entstanden.

Gemeinsam mit der Abteilung für Radioonkologie und Strahlentherapie (Prof. Jürgen Debus) und dem Deutschen Krebsforschungszentrum (Prof. Otmar Wiestler) wurde innerhalb des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen Heidelberg (Prof. Dirk Jäger) hiermit ein Zentrum zur interdisziplinären Beratung, Diagnostik und Therapie für Patienten etabliert. Weitere intensive Partnerschaften sind außerdem mit der Viszeralchirurgie, der Herzchirurgie, der Gynäkologie und der Kinderklinik etabliert. Mit der Frauenklinik ist der Aufbau eines Kontinenzzentrums geplant.

Die Urologische Universitätsklinik Heidelberg blickt auf eine lange Tradition zurück – und stellt sich zum Wohle aller Patienten auch in Zukunft großen Aufgaben.

Dr. Gencay Hatiboglu Dr. Sascha Pahernik

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