Newsletter Operative Medizin Heidelberg
Sonderausgabe / 3.Quartal 2007

Harninkontinenz sollte kein Tabuthema mehr sein

Häufig sind Beeinträchtigungen der Nervenversorgung mitverantwortlich für das Auftreten einer lasenschwäche.
Häufig sind Beeinträchtigungen der Nervenversorgung mitverantwortlich für das Auftreten einer lasenschwäche.

Mit der richtigen Therapie zurück ins unbeschwerte Leben

Harninkontinenz ist ein Problem, von dem viele Menschen betroffen sind. Auch heute in unserer aufgeklärten Gesellschaft stellt die Inkontinenz, das Einnässen, weiterhin ein Tabu-Thema dar. Die Betroffenen ziehen sich lieber von ihren Freunden und Verwandten zurück und führen ein eher isoliertes Leben, als dass sie über ihr Problem der Harninkontinenz berichten und sich behandeln lassen. Das muss nicht sein!

Heute bestehen zahlreiche gute Therapiemöglichkeiten, die zu einem Ausweg aus dieser die Lebensqualität stark einschränkenden Situation verhelfen. Bevor allerdings eine Therapie eingeleitet werden kann, muss sich der Arzt über die Art der vorliegenden Inkontinenz ein Bild machen. Dazu sind einige Voruntersuchungen notwendig.

Man unterscheidet heutzutage drei Formen der Harninkontinenz:

  • Die sogenannte Belastungsinkontinenz, bei der Urin bei körperlicher Belastung ohne das Gefühl von Harndrang verloren wird.
  • Die Harndranginkontinenz, deren führendes Symptom der Harndrang ist und die mit häufigen Toilettengängen und nächtlichem Urinieren einhergeht.
  • Die Überlaufinkontinenz, die insbesondere bei älteren Männern mit vergrößerter Prostata auftritt. Hierbei kann die Blase durch die vergrößerte Prostata nicht mehr vollständig entleert werden und der Patient verliert Urin, wenn die maximale Blasenkapazität erreicht ist.

Alle genannten Formen der Harninkontinenz nehmen im Alter zu, so dass mehr als 30 % der über 75-Jährigen an einer der Formen der Harninkontinenz leiden. Die Harninkontinenz kann verschiedene Ursachen haben, z. B. Blasensenkungen, Harnwegsinfektionen, gutartige Prostatavergrößerungen, nervale Faktoren wie ein Schlaganfall oder ein Morbus Parkinson sowie die Zuckerkrankheit. Zudem kann Harninkontinenz auch altersbedingt sein.

Basisuntersuchungen für die detaillierte Diagnose

Um eine vernünftige Behandlung einleiten zu können, ist eine detaillierte Diagnostik der Patienten notwendig. Dazu gehört eine Anamnese, die die wichtigsten Fragen, wie beispielsweise „Wie häufig gehen Sie tagsüber zur Toilette?“, „Wie häufig gehen Sie nachts zur Toilette?“, „Wie groß ist Ihre Trinkmenge?“, „Wann traten die Beschwerden erstmals auf?“, abfragt. Daneben spielt die körperliche Untersuchung und die Untersuchung des Urins eine wichtige Rolle. Mit Ultraschall kann zudem die Menge an Urin bestimmt werden, die nach dem Wasserlassen in der Blase zurückbleibt. In der Regel werden die Patienten auch gebeten, über mehrere Tage ein Miktionsprotokoll zu führen. Darin schreiben sie auf, wie häufig sie zur Toilette gehen mussten und wie häufig ein Harndrang oder eine Inkontinenz aufgetreten sind. Anhand dieser Basisuntersuchung kann bei den meisten Patienten bereits eine vernünftige Diagnose gestellt und eine Therapie eingeleitet werden.

Drei Therapieformen versprechen Linderung und Heilung

Sollte zu diesem Zeitpunkt die Diagnose des Patienten noch nicht klar sein, erfolgt eine sog. urodynamische Untersuchung, bei der objektiv die Drücke in der Harnblase gemessen werden und die Beschwerden der Patienten objektiviert werden können. Nach einer solchen Untersuchung steht in der Regel fest, um welche Form der Inkontinenz es sich handelt. Dann kann eine medikamentöse Therapie mit Tabletten, eine krankengymnastische Therapie oder eine operative Therapie, meist minimal invasiv, durchgeführt werden. Bei korrekt durchgeführter Diagnostik und Therapie ist bei den allermeisten Patienten die Harninkontinenz heilbar. Und damit ist den Patienten wieder die Möglichkeit gegeben, am gesellschaftlichen Leben ungehindert teilnehmen zu können.

PD Dr. Axel Haferkamp Urologische Universitätsklinik Heidelberg

 

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2. Heidelberger Gesundheitstag:
„Blasenschwäche“
14.35 bis 15.00 Uhr