Newsletter Operative Medizin Heidelberg
Sonderausgabe / 3.Quartal 2007

Darmspiegelung – Licht ins Dunkel

Kleiner Polyp vor der Abtragung.
Kleiner Polyp vor der Abtragung.
Nach endoskopischer Abtragung.
Nach endoskopischer Abtragung.

Die Untersuchung ist unkompliziert und wenig belastend

Immer noch ist Darmkrebs für Frauen und Männer gleichermaßen die zweithäufigste Krebstodesursache in Deutschland. Die Wahrscheinlichkeit, Darmkrebs zu entwickeln, liegt für einen über 40-jährigen Deutschen bei ca. 6 %, sofern er keine weiteren Risikofaktoren wie etwa erbliche Belastungen hat. Eine erbliche Veranlagung zu Polypen steigert das Risiko erheblich auf bis zu 00 Prozent. Vorsorge und Früherkennung können hier viele Leben retten.

Darmkrebs entsteht langsam

Jedes Jahr erkranken etwa 70 000 Menschen in unserem Land neu an Darmkrebs und etwa 30 000 Menschen sterben daran. Das muss nicht sein, denn Darmkrebs entsteht meist langsam über Jahre aus zunächst gutartigen Wucherungen, den sogenannten Polypen. Die Wahrscheinlichkeit, Polypen zu entwickeln, nimmt mit dem Lebensalter zu und kann grundsätzlich jeden treffen, auch denjenigen, der sich viel bewegt, Ballaststoffe isst und allgemein gesund lebt. Wenn diese Polypen aber rechtzeitig erkannt und abgetragen werden, kann daraus auch kein Krebs mehr entstehen. In den USA konnte durch konsequente Aufklärung die Sterblichkeit des Darmkrebses deutlich gesenkt werden, in Deutschland ist hier noch viel zu tun. 

Blut im Stuhl ist ein Alarmzeichen

Weder die Polypen als Vorstufen des Darmkrebses noch der Krebs selbst verursachen normalerweise irgendwelche Beschwerden; erst in den fortgeschrittenen Stadien entstehen Schmerzen oder ein Darmverschluss. Blut im Stuhl oder eine plötzliche Änderung der Stuhlgewohnheiten sind aber Alarmzeichen, die zum baldigen Aufsuchen des Hausarztes und zur schnellen Planung einer Darmspiegelung führen sollten. Mit speziellen Verfahren kann man sogar schon sehr geringe Mengen an Blut im Stuhl sichtbar machen, die dem menschlichen Auge noch verborgen bleiben. Dieser sogenannte Okultbluttest wird als Früherkennungsuntersuchung seit Jahren von den Krankenkassen für Personen ab dem 50. Lebensjahr empfohlen und bezahlt. Aber leider wird er nur von weniger als einem Viertel der Berechtigten in Anspruch genommen. Wenn der Stuhltest als Nachweis von nicht sichtbarem Blut im Stuhl positiv ausfällt, sollte auf jeden Fall eine Darmspiegelung vorgenommen werden.

Die Darmspiegelung kostet nichts

Die Darmspiegelung ist eine Untersuchung, die täglich tausendfach in Deutschland in den Kliniken oder den Praxen niedergelassener Ärzte durchgeführt wird. Die Krankenkassen tragen die Kosten für die Untersuchung bei jedem Verdachtsmoment, z.B. bei Blutauflagerungen im Stuhl. Außerdem wird von den Krankenkassen ab einem Alter von 55 Jahren die Darmspiegelung als Vorsorgeuntersuchung alle 10 Jahre empfohlen und bezahlt. Bei der Darmspiegelung (Koloskopie) wird der Dickdarm mit einem dünnen flexiblen Gerät untersucht, das durch einen hochempfindlichen Videochip erlaubt, Polypen oder andere Veränderungen der Schleimhaut des Darmes zu sehen. Polypen können meistens schon während der Untersuchung entfernt werden, damit kein Darmkrebs mehr entstehen kann. Falls schon ein Darmkrebs entstanden ist, sind die Heilungschancen umso besser, je früher er erkannt und behandelt wird.

Keine Angst vor der Darmspiegelung

Sicherlich wird sich niemand gerne einer Darmspiegelung unterziehen. Aber nur die Darmspiegelung gibt die Sicherheit, keinen Krebs zu haben. Es handelt sich dabei um eine unkomplizierte und wenig belastende Untersuchung, die in den meisten Fällen mit Medikamenten zur Beruhigung oder in einer Kurznarkose durchgeführt wird. In unserer Klinik ist im Interdisziplinären Endoskopie-Zentrum immer ein Narkosearzt anwesend, um für unsere Patienten die größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten. Wenn Sie es wünschen, führen wir die Darmspiegelung in einer Kurznarkose durch, d.h. Sie schlafen vor Beginn der Untersuchung ein und wachen wieder auf, wenn alles vorbei ist. Auf keinen Fall sollten Sie jedoch die nötige Untersuchung aus Angst vor der Untersuchung oder aus Sorge vor dem Ergebnis verschieben oder nicht durchführen lassen. Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt oder kommen Sie gerne zu einem beratenden Gespräch zu uns und treffen Sie dann Ihre Entscheidung.

Darmkrebs bedeutet nicht das Ende des Lebens

Wenn ein Darmkrebs entdeckt wird, kann er umso besser behandelt werden, je früher er erkannt wird. Dabei wird zunächst in einer Operation der krebstragende Teil des Dickdarms mit dem dazugehörigen Abstromgebiet der Lymphe und des Bluts entfernt. Wenn der Krebs im Mastdarm sitzt, ist eventuell vor der Operation noch eine Bestrahlung und/oder eine Chemotherapie erforderlich. Selbst bei einem Krebs im Mastdarm ist aufgrund moderner Operationsmethoden nur noch in etwa 10 Prozent der Mastdarmkrebs-Fälle ein bleibender künstlicher Darmausgang erforderlich. Nach einer Operation des Dickdarms oder Mastdarms kann das Leben in den gewohnten Bahnen weitergehen, oftmals denken Patienten nach einer gewissen Rekonvaleszenzzeit gar nicht mehr daran, dass sie am Dickdarm operiert wurden. Die Heilungschancen sind umso besser, je früher der Krebs erkannt wurde. Im Frühstadium liegen sie noch bei nahezu 100 Prozent. Bringen Sie also nicht nur Ihr Auto zur regelmäßigen Inspektion, sondern legen Sie an Ihren Körper denselben Maßstab an und nehmen Sie die Chancen zur Krebsfrüherkennung wahr. Wir hoffen, dass wir Ihnen mit diesen Informationen die unnötige Sorge vor einer Darmspiegelung nehmen konnten und stehen Ihnen jederzeit mit weiteren Informationen zur Seite.

Dr. med. Anja Schaible MSc Prof. Dr. med. Markus W. Büchler

 

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