Newsletter Operative Medizin Heidelberg
Sonderausgabe / 3.Quartal 2007

Tomaten gegen Krebs

Tomaten enthalten das gegen Prostatakrebs schützende Pigment Lykopen
Tomaten enthalten das gegen Prostatakrebs schützende Pigment Lykopen

Prostatakarzinom - Prävention durch Ernährung

Prostatakrebs ist ein weltweites Gesundheitsproblem. In Deutschland sterben jährlich etwa 2.000 Männer an Prostatakarzinomen. Studien haben gezeigt, dass die Ernährung mit Tomaten- Produkten sowie bestimmten Nährstoffen wie Selen und Vitamin E eine Wirkung gegen den Prostatakrebs zeigen. Internationale Beobachtungen führten zu der Hypothese, dass Umwelt- und Ernährungseinflüsse entscheidend an der Entstehung des Prostatakarzinoms beteiligt sind.

Mit Tomaten das Risiko senken

Ende der 80er Jahre wurde in den USA erforscht, dass Männer, die häufiger rohe Tomaten und auch Tomaten-Produkte (Tomatensauce, Tomatenmark und Ketchup) aßen, ein geringeres Erkrankungsrisiko hatten. Zurückgeführt wurde dies auf das rote Pigment Lykopen, das in Tomaten (botan. Lycopersicon esculentum) vorhanden ist. Mit einem größeren Konsum von Lykopen konnte das Auftreten aggressiver Prostatakarzinome reduziert werden. Die Harvard Universität in Boston (USA) untersuchte über 50.000 Männer in der „Health Professionals Follow-Up Studie“ von 1986 bis 1992 und fand heraus, dass die regelmäßige Aufnahme von Tomaten- Sauce zu einem 35% geringeren Risiko an einem fortgeschrittenen Prostatakarzinom zu erkranken führte. Hilfreich: Die Bioverfügbarkeit (die Aufnahme im Darm) von Lykopen wird gesteigert, wenn man Tomaten kocht und gleichzeitig mit Fetten zu sich nimmt. Richtungsweisend: In Laborversuchen verhindert Lykopen das Wachstum von bestimmten bösartigen Prostatazellen.

Selen – Ein Spurenelement mit großer Wirkung

In der „Nutritional Prevention of Cancer“ Studie im Jahre 2003 wurden Hautkrebs- Patienten in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine Gruppe erhielt 200 Mikrogramm Selen/ Tag, die andere Gruppe kein Selen. Beide Gruppen wurden über 7 Jahre hinweg untersucht. Interessanterweise zeigte sich zwar keine Wirkung auf den Hautkrebs, jedoch eine 50% geringere Rate an neu aufgetretenen Prostatakarzinomen in der Selen-Gruppe. Das Spurenelement Selen scheint eine präventive Wirkung zu haben. Übrigens: Das Spurenelement Selen kommt besonders in den Nahrungsmitteln Brot, Getreide, Fisch und Huhn vor.

Täglich Vitamin E senkt die Erkrankungsrate

Vitamin E (alpha-Tokopherol) ist hauptsächlich in Nüssen und Sonnenblumenkernen enthalten und findet meist in Pflanzenölen, Margarine und Kakaoprodukten Verwendung. Es ist ein wichtiges Antioxidans, das als Fänger sog. freier hochreaktiver Sauerstoffradikale dient. Im Rahmen der ATBC-Studie fand man heraus, dass die tägliche Einnahme von 50 Milligramm Vitamin E/Tag über einen Zeitraum von 5 bis 8 Jahren zu einer 32% geringeren Rate an Prostatakarzinomen führte.

Können Selen und Vitamin E Prostatakrebs verhindern?

In der laufenden SELECT-Studie wird in einem Zeitraum von über 12 Jahren speziell die schützende Wirkung von Selen und Vitamin E auf die Entstehung von Krebs genauer untersucht. Ergebnisse werden für das Jahr 2013 erwartet. Zusammengefasst gibt es starke Hinweise auf einen präventiven Effekt von Tomaten, Vitamin E und Selen gegen die Entstehung und Entwicklung des Prostatakarzinoms. Die bisher verfügbaren Daten sind jedoch noch nicht ausreichend, um eindeutige Empfehlungen geben zu können. Dr. med. Thomas Höfner

Mehr zu diesem Thema am 2. Heidelberger Gesundheitstag: „Prostata – Tomaten gegen Krebs“ 11.15 bis 11.40 Uhr